TRAUMA – MI MYSELF AND I

2016 haben wir wieder die Kamera hervorgeholt. Diesmal hatte Trauma alleine einen Song über Minden geschrieben. Unsere Heimatstadt! Natürlich wollten Eike und ich dabei wieder mitmachen und ein Video beisteuern. Allerdings waren wir zu diesem Zeitpunkt keine Studenten mehr, sondern Mitarbeiter in Agenturen im Bereich der Unternehmenskommunikation (Umgangssprachlich: Werbung). Trotzdem haben wir uns die Zeit genommen. Wir haben ein grobes Konzept entwickelt und einfach mit dem Drehen angefangen. Da wir in Lohn und Brot standen, konnten wir technisch auch ein bisschen aufrüsten. Wir haben die OSMO von DJI besorgt, und waren von Beginn an begeistert, von den ruhigen Kamerabewegungen und der hohen Qualität der Bilder.

Obwohl das Material zum Schneiden einlud, war die Motivation, sich nach einem harten Arbeitstag an den Rechner zu setzen, und das Material in einen Film zu gießen, eher gering. Eigentlich war sie nicht vorhanden! Und so brauchte es fast zwei Jahre, bis man das Material wieder hervorholte und mit dem Schneiden begann. Jetzt ist es fertig!

Stress und Trauma – ZWEI bis VIER (HD Video)prod. von Ricco Beatz

2013 haben wir selbstständig und ohne Budget einen Film für einen lokalen Einzelhändler gedreht. Das war die erste Zusammenarbeit mit den Minderner HipHop Urgesteinen Stress und Trauma. An einem Abend drehten wir das Rohmaterial zusammen. Dabei tranken wir einige Biere. Danach schmiss man den Rechner an und montierte das Material.

Bei diesem Film haben wir mehr gelernt, als in irgendeinem Uni-Seminar. Wir haben Fehler gemacht! Mann … was haben wir Fehler gemacht! Stress und Trauma bewegen sich zu wenig vor der Kamera. Und die Kamera selbst bewegt sich zu wenig. Das ganze ist zu statisch und das Material war schlecht, weil wir nur einen günstigen Camcorder hatten und kein Licht. Beim Schneiden fanden wir dann heraus, dass es eher nicht so gut ist, wenn die Künstler nur Lippenbewegungen simulieren und nicht richtig rappen. Das sieht man! Trotzdem waren wir Stolz, als das Video online ging.

VORSICHT DREHARBEITEN

2009 hat das alles angefangen. Eike, mein Bruder, und ich saßen im Seminar „Vorsicht Dreharbeiten“ in der Universität Bielefeld von Fabio Magnifiko. Filme fanden wir schon immer sehr wichtig. Aber wir wären nie auf die Idee gekommen, selbst Filme zu machen. Das Praxisseminar hatte aber genau das zum Ziel. Wir sollten in unterschiedlichen Gruppen zwei kleine Filme machen. Das Thema wurde Vorgegeben: „Streng Geheim.“ Nach zwei kurzen Einführungen in Dramaturgie und das Schnittprogramm Premiere (Adobe) legten wir relativ selbstständig los.
Zu diesen Filmen nur soviel: Sie sind nicht gut! Und ich bin relativ froh, dass die Filme verschütt sind. Die will wirklich keiner sehen!

Vasallen der Orthodoxie

Es ist schon erstaunlich, dass gerade die Vasallen der Orthodoxie für sich Nonkonformität beanspruchen, wenn diese im Kontext von Führungsfähigkeiten genannt wird. Besonders verrückt wird es, wenn diese Möchtegern-Leader dazu gerade die Texte bemühen, die im Kanon zirkulieren und in diesem Sinn konform sind.

Artikel zum Thema Nonkonformität bei t3n

Endgültig verrückt wird diese Selbstzuschreibung, wenn sie von Individuen geäußert wird, die 2 Kinder, eine Frau und einen Hund haben. Lasst euch eins sagen: Ihr seid Vieles, aber ganz bestimmt nicht unangepasst! Ihr seid nicht in der Lage, eigene Handlungen aus der Beobachtung zweiter Ordnung (Luhmann) wahrzunehmen. Konstruktive Selbstreflexion, Agilität, mentale Flexibilität und technologisches KnowHow können so nicht gedeihen.

Gerade in größeren Unternehmen greift diese deduktive Logik, digitale Führungskräfte sind Nonkonformisten, nicht. In konservativen Großunternehmen – das sagt der Name ja schon – ist Risikominimierung der Faktor für Entscheidungen. Wenn die Geschäftsleitung dann ihren digitalen Köpfen aus Gründen der Risikominimierung keine Freiheiten einräumt, kann das Ergebnis in keinem Fall Nonkonformität auf individueller Ebene sein. Überall dort, wo die Geschäftsleitung einen „Angstapparat aus Kalkül“ (RWF) aufbaut, wird digitales Geschäft versiegen.

 

Der neue Moers

2013 habe ich noch auf blog.de (gibt es nicht mehr) geschrieben und der beliebteste Artikel war ein kurzer Text über einen nicht veröffentlichten Roman von Walter Moers. Der sollte Das Schloss der träumenden Bücher heißen und im Oktober 2013 herauskommen. Das wurde nichts, also verschob der Verlag die Publikation um ein Jahr. Dann wurde es noch ein Jahr. Und jetzt gibt es keine verlässliche Angabe zur Erstveröffentlichung. Bücher.de hat scherzhaft die Erstveröffentlichung für den 8. Oktober 2024 angekündigt. Ich schätze, auch daraus wird nichts. Stattdessen hat Knauer jetzt den neuen Zamonienroman angekündigt: Er soll am 28. August 2017 erscheinen und Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr heißen. Ich werde berichten und bin sehr gespannt. Denn bei aller Kritik, ob der Hinhaltetaktik des Verlages, Zamonien ist immer eine literale Reise wert.

Den alten Artikel zum Schloss der träumenden Bücher findet Ihr hier, der Text ist aus dem Jahr 2013:

Gerade habe ich Das Labyrint der träumenden Bücher ausgelesen und was steht da auf der letzten Seite „Hier beginnt die Geschichte“. IST JA GEIL! (SARKASMUS!!). Ich dachte mir schon während der Lektüre, wann geht es denn jetzt endlich mal zur Sache, wann fängt die Geschichte an? Nun weiß ich es, sie beginnt im nächsten Roman, der im Oktober diesen Jahres (2013) herauskommt und Das Schloss der träumenden Bücher heißen soll. So´nen MIST! Ich kann ja noch froh sein, weil ich mir erst jetzt das Paperback von Das Labyrinth der träumenden Bücher gekauft habe. Wenn ich mir das Buch vor zwei Jahren gekauft hätte, hätte ich mich schwarz geärgert, denn zwei Jahre Wartezeit auf eine Fortsetzung finde ich unzumutbar. Nun werde ich mir ein 25€ teures Buch kaufen, weil der Moers mich mit der Vorgeschichte angefixt hat. Ist das vielleicht eine Masche des Verlags? Keine Ahnung! Zum Labyrinth der träumenden Bücher: Der Roman ist wie alle Zamonienromane eine Welt der Lindwürmer, Wolpertinger und Haifischmaden. Die offensichtlichen intertextuellen Bezüge zu bekannten Künstlern sind humorvoll eingearbeitet und reizen zur Entschlüsselung. Aus literarischen Größen wie Franz Kafka wird so schnell ein Zank Frakfa. Dieser Spielerei verfällt Moers ein wenig, denn in diesem Buch häufen sich solche Anagramme. Die Dramaturgie des Buches ist, weil sie auf einen Höhepunkt hinarbeitet, der nicht kommt, unvollständig. Meiner Meinung hätte man die 2 Bände der Geschichte in kürzerer Abfolge herausbringen sollen. Auch wenn dies hieße, den ersten Roman vorerst in der Schublade liegen zu lassen. Die Unvollständigkeit der Geschichte hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack und versauert somit die Freude auf den nächsten Zamonienroman. Herr Moers, das nächste Mal schreiben sie bitte eine Geschichte mit einem Abschluss, Cliffhänger haben in einem Roman nichts zu suchen, dafür kann man sich simple Fernsehserien anschauen oder Soaps.

Bernhard Wickis Antikriegsfilm „Die Brücke“

Bernhard Wickis Die Brücke (BRD 1959) zählt zu den wichtigsten Filmen, die ich in meinem Leben gesehen habe. In einer Zeit, in der Niemand etwas von den Schrecken des Krieges wissen wollte, hatte Bernhard Wicki den Mut, einen kompromisslosen Film über den Fanatismus der letzten Kriegstage zu drehen.

Deutschland 1945. Hans Scholten (Folker Bohnet), Albert Mutz (Fritz Wepper), Walter Forst (Michael Hinz), Jürgen Borchert (Frank Glaubrecht), Karl Horber (Karl Michael Balzer), Klaus Hager (Volker Lechtenbrink) und Sigi Bernhard (Günther Hoffmann) gehen auf das Gymnasium einer deutschen Kleinstadt und kommen aus ganz unterschiedlichen sozialen Verhältnissen. Vom Offizierssohn bis zum Sohn eines Kriegsinvaliden ist alles vertreten. Noch gehen die 16jährigen zur Schule doch schon bald werden sie zum Volkssturm einberufen. Ihr Studienrat Herr Stern (Wolfgang Stumpf) setzt sich noch für eine Verschonung der Jungen ein, doch Hauptmann Fröhlich (Heinz Spitzner) besteht auf den Einsatz der Minderjährigen. Die sieben Jungen werden vom Unteroffizier Heilmann (Günter Pfitzmann) zu einer Brücke vor die Stadt geführt. Sie soll, kurz bevor die Amerikaner kommen, gesprengt werden. Heilmann will die Jungen schonen, und sie vorher abziehen. Doch nachdem er die Brücke und die Jungen kurzfristig verlässt, wird er von den eigenen Leuten erschossen, weil man ihn für einen Deserteur hält. Die Jungen sind nun auf sich selbst gestellt und halten die Brücke kurzfristig, während die Amerikaner anrücken. Als die Kinder gegen die Amerikaner kämpfen ruft einer der amerikanischen Soldaten: „Give up, stop shooting! We don’t fight kids! Go home or go to kindergarten!“ Karl kann es nicht mehr hören, auf sein geringes Alter angesprochen zu werden und lässt sich reizen, er feuert eine Maschinengewehrsalve auf den Soldaten ab, der in Folge jämmerlich stirbt. Doch auch die Jungen fallen nach und nach ihrem falschen Patriotismus zum Opfer. Der letzte Junge wird sogar von den eigenen Leuten erschossen, als sie die Brücke sprengen wollen. Nur Albert überlebt die Aktion. Zum Schluss wird der Satz eingeblendet: „Dies geschah am 27. April 1945. Es war so unbedeutend, daß es in keinem Heeresbericht erwähnt wurde.“

Die Deutschen wollten kurz nach dem 2. Weltkrieg (immerhin sind es 14 Jahre) nichts von ihren Verfehlungen wissen und so wurde dieser Film zwar von den Kritikern gelobt und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, doch der normale Bürger ging für diesen Film nicht ins Kino. Und so teilt Die Brücke das Schicksal der meisten Antikriegsfilme der Nachkriegszeit, das Schicksal ungesehen zu sein. Allenthalben wird dem deutschen Film und seinen Machern vorgeworfen, kein Interesse an der Aufarbeitung des „Dritten Reichs“ zu haben, doch das stimmt nicht. Wolfgang Staudte beispielsweise hat schon 1946, also ein Jahr nach Kriegsende, den Film Die Mörder sind unter uns gedreht. Niemand wollte diesen Film sehen! Das eine Aufarbeitung im Kino nicht stattfand, lag also nicht am Unwillen der Filmschaffenden, sondern vielmehr am Unwillen der Zuschauer. Die Brücke habe ich im zarten Alter von 10 Jahren das erste Mal gesehen und dieser Film hat mir gezeigt, dass Krieg kein Abenteuer ist, sondern einfach nur unmenschlich! Die Brücke ist sehr pädagogisch, ja das stimmt, aber er leistet damit einen besonderen Beitrag zu einer friedlicheren Welt. Kinder und Jugendliche die diesen Film sehen, begreifen die Sinnlosigkeit gewalttätigen Handelns, dies lässt über technische Schwächen des Films hinwegsehen.

Foto: Gaétan Meyer/unsplash.com

Pixel gegen Zelluloid – „Das Cabinet des Dr. Caligari“ in 4K

Zur 64. Berlinale wurde der Stummfilmklassiker „Das Cabinet des Dr. Caligari“ in der Sektion Berlinale Classics neu aufgeführt. Was heißt denn da neu? Schließlich ist der Film fast hundert Jahre alt! Das neue an dieser Version ist eine vollständige Restaurierung und eine Anpassung an die aktuelle Kinotechnik (4K).

Es ist nun schon mehr als 8 Jahre her, dass ich eine Bachelor-Arbeit zu diesem Film geschrieben habe. Aber meine Leidenschaft und mein Interesse für den deutschen Stummfilm ist nicht erloschen. Und deshalb freut es mich sehr, wenn ich höre, dass dieser Meilenstein der Kinogeschichte für das gegenwärtige Kino erhalten bleibt. Ich hoffe zudem, dass sich „Das Cabinet des Dr. Caligari“ durch die Restaurierung ein neues Publikum erschließen kann.

Die Handlung des Films – Ein Rahmen

Franzis (Friedrich Fehér) erzählt einem alten Mann eine Geschichte über seine Heimat Holstenwall. In diesem Städtchen geschahen seltsame Dinge. Als ein Jahrmarkt in der Stadt ist gehen Franzis, sein Freund Alan (Hans Heinrich von Twardowski) und ihre Freundin Jane (Lil Dagover) dort hin. In einer Bude wird der Somnambule Cesaré (Conrad Veidt) ausgestellt. Dr. Caligari (Werner Krauss) erweckt den Schlafenden und das Publikum darf ihm Fragen über die Zukunft stellen. Allan fragt ihn, wie lange er noch zu Leben habe und Cesare antwortet: „Bis zum Morgengrauen!“ Niedergeschlagen kehrt die Gruppe heim und alle legen sich schlafen. In jener Nacht wird Alan tatsächlich ermordet. Franzis fühlt sich schuldig und will den Täter finden. Während seiner Odysee auf der Suche nach dem Mörder wird auch Jane gefährdet. Schließlich findet Franzis heraus, dass Dr. Caligari den Somnambulen steuert und demnach für die Morde verantwortlich ist. Caligari wird gestellt und als irrer Mörder entlarvt. Schließlich kehrt der Zuschauer wieder in den Garten zurück in dem Franzis und der alte Mann sitzen. Es stellt sich heraus, dass Franzis Patient in einer Irrenanstalt ist und Dr. Caligari sein Arzt.

Die Rezeption – Von Caligari führt ein Weg zu Hitler?

Caligari-zu-Hitler-Foto-Buchcover.jpgRobert Wiene, der Regisseur dieses Films, konnte mit diesem Streifen einen internationalen Erfolg verbuchen. Die Zeitungen überschlugen sich geradezu mit positiven Kritiken. Vor allem die Übertragung der expressionistischen Stils von der Malerei auf die Leinwand wurde positv wahrgenommen, so schrieb Dr. Wilhelm Meyer am 29.02.1920 in der Vossischen Zeitung: „es stellt [sich] zum ersten Male die bildende Kunst ebenbürtig neben die darstellende und schweißt Bild und Bewegung zu einer Wirklichkeitsharmonie zusammen.“ Die Kritiken waren sich einig, dass der Expressionismus des Films nicht nur eine logische Fortentwicklung zum Expressionismus in der Malerei und Literatur war, sondern auch eine geschickte Methode zur Darstellung der Zerrissenheit von Franzis. Die berühmteste Beurteilung des Films kam 1974 heraus: Siegfrieg Kracauer schrieb sein berühmtes Buch Von Caligari zu Hitler. In diesem Titel stellte der Filmkritiker die These auf, dass man in Das Cabinet des Dr. Caligari bereits Anzeichen des kommenden Faschismus erkennen könne. Für ihn war der Kampf von Franzis gegen Caligari ein Kampf gegen den Faschismus, ein Kampf den Franzis aber letztlich verliert, weil er in der Rahmenhandlung wieder unter der Fuchtel des Dr. Caligari steht.

Die Restaurierung – Caligari wird 4K

cabinet-dr-caligari-foto-filmcoverDie Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung und Bertelsmann haben den Film nun restauriert und damit eine erneute Kinoaufführung ermöglicht: Der größte Teil der deutschen Kinos ist auf digitale Filme ausgelegt. Die Aufführung von Zelluloidfilmen ist nicht mehr wirtschaftlich und nur noch in wenigen Kinos möglich. Insofern war diese Restauration mehr als überfällig. Das Format nennt sich 4K und hat die vierfache Auflösung (4096 × 2304 Pixel) einer gewöhnlichen BluRay. Darüber hinaus wurden mehrere Nitropien und das Filmnegativ zusammengetragen und in einer Kopie konsolidiert. So ist es möglich den Film in bestmöglicher Qualität zu zeigen. Alleine aufgrund dieses Aufwands gilt dem Bertelsmann-Konzern und der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung der Dank aller Cineasten.

Die DVD/Bluray-Edition

Neben der hochauflösenden Version des Films hält die Bluray noch andere Features parat: Wie der Horror ins Kino kam (D, 2014, R: Rüdiger Suchsland, ca. 50 Minuten) ist ein Dokumentarfilm, der den Leien in die Thematik einführt. Das Cabinet des Dr. Caligari wird oberflächig in seine soziologischen und kulturhistorschen Kontexte seziert. Warum gerade dieser Film zu dieser Zeit? Und, was ist das cineastisch augenfällig an ihm? Natürlich wird sich auch hier mit der These Kracauers, der Film lasse das aufkommende Übel erahnen, auseinandergesetzt.
Komplettiert wird die Bluray durch ein Making of der Resaturierung (4 Minuten) und einige Restaurirungsbeispielen (4 Minuten).

Wichtige Links

  1. Die schlechte Fassung des Films auf archive.org.
  2. Das Webspecial der Murnau Stiftung.
  3. Das Webspecial von Bertelsmann.
  4. Der Beitrag auf filmportal.de.

Kasperle Armee Fraktion

Wie weit darf unsere Sucht nach einem Lacher gehen? Worüber kann und darf man noch lachen? Wann wird es pietätlos? Die RAF ist nicht nur Objekt eines kulturell geprägten Raubbaus, sondern mittlerweile auch eine Quelle der Belustigung!

Gerade im Kontext von Filmen wie Mein Führer Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler (R: Dani Levy, D 2007) keimt immer wieder die Frage auf: Darf man über Hitler lachen? Und die Antwort auf diese Frage fällt der Presse und der Öffentlichkeit nicht leicht, denn wer möchte sich schon der Trivialisierung des Holocausts schuldig machen? Und so geht das Volk ins Kino, ohne das die Kritiker ihr O.K. dazu geben.

Ähnlich kompliziert ist dies bei der Auseinandersetzung mit der RAF (Rote Armee Fraktion). Ich habe mich intensiv mit dem Thema RAF im Film beschäftigt und eigentlich gab es nur einen Film, der die Terroristen komisch darstellt und das ist Die dritte Generation (D 1979) von Rainer Werner Fassbinder. Dieser Film entlarvt die Terroristen als prinzipienlose Hobbybombenleger, die von der Wirtschaft manipuliert werden. Damit hatte dieser Film zu seiner Zeit eine brisante politische Aussage. Doch mittlerweile entwickelt sich die RAF im deutschen Film zu einer Lachnummer. Bis jetzt gibt es noch keine levyeske Persiflage auf Baader, Meinhof, Ensslin und Co. Doch in einigen Filmen gibt es humorvolle Anspielungen auf die terroristischen Bürgerkinder. In Geld her oder Autsch´n (R: René Marik / Johan Robin, D 2013) entführen Kasperle und Co. den berühmten Eisbär Kalle und machen ein Video um Geld zu erpressen. Dazu werden Pappschilder mit dem roten Stern und der Aufschrift „KAF“ angefertigt. Der Verweis auf die RAF ist eindeutig und humorvoll: Satirisch werden die Szenen der Schleyer-Entführung nachgestellt. Zugleich wird die RAF mit infantiler Lächerlichkeit in den Kontext einer altmodischen Kinderunterhaltung gesetzt. Erst zu nehmen sind diese Terroristen nicht. Und in Türkisch für Anfänger (R: Bora Dagtekin, D 2012) gibt es eine lustige Traumsequenz, in der die Hauptdarsteller als Baader und Ensslin in Stammheim zum Zwecke des Beischlafs in eine Zelle geführt werden. Im tiefsten Schwäbisch sagt der JVA-Beamte: „Frau Ensslin. Der Herr Baader wär jetzt da!“ Danach fallen die beiden wild übereinander her. Hier wird auf humorvolle weise ein Stammheim-Mythos inszeniert?

Die Frage ist nun, ob eine humorvolle Inszenierung der jüngeren deutschen Geschichte Angesichts der 34 Todesopfer der RAF moralisch ist? Darf man die RAF, die immerhin über gut 20 Jahre die Bundesrepublik in Schrecken gehalten hat, zur humorvollen Inszenierung nutzen? Ich glaube, ja! Denn angesichts der Schwere, die die gewöhnlichen kulturellen Verarbeitungen gerade im Medium Film auszeichnet, stellt die humorvolle Adaption der Historie eine psychologische Entlastung für die Zuschauer dar. Der zweite positive Effekt dieser Form der Inszenierung: Die Protagonisten dieses Kapitels der deutschen Geschichte werden als lächerliche Figuren entlarvt. Den gleichen Nutzen haben für mich auch die komischen Filme über den deutschen Faschismus.

Foto: Chris Greenhow (https://unsplash.com/)

Werner Herzog: Erst Autodidakt dann Lehrer

DU: Was machst Du so?
ICH: Ich sehe Filme!
DU: Hast du einen Lieblingsfilm?
ICH: Mensch! Es gibt es so viele Filme die ich toll finde, da könnte ich mich nicht entscheiden. Aber Werner Herzog ist mein Lieblingsregisseur.

Diesen Dialog habe ich oft geführt! Während des Studiums habe ich mich fast ausschließlich mit dem Medium Film beschäftigt und eine Expertise in diesem Bereich aufgebaut, auf die ich stolz bin. Und immer wenn die Frage: „Was ist dein Lieblingsfilm?“ kam, habe ich so geantwortet.

Werner Herzog hat mir die Pforten zum neuen deutschen Film (mittlerweile ist der neue deutsche Film alt) geöffnet. Dafür bin ich ihm dankbar! Durch Herzog habe ich Filme kennengelernt, die jenseits des stereotypen Hollywoodkinos eine ganze andere Form des filmischen Erzählens bieten. „Der alte Film ist tot. Wir glauben an den neunen!“ steht am Ende des Oberhausener Manifestes. Das hat Herzog zwar nie unterschrieben, aber dennoch entwickelte er einen neuen Film. Aber zum Teufel: Warum? Weil er die etablierten Formen ablehnte oder sie mutmaßlich gar nicht kannte, Herzog sagt von sich selbst, dass er eigentlich keine Filme guckt. Ich bin davon überzeugt, dass Herzog nur eine ganz eigene Filmsprache erzeugen konnte, weil er ein Autodidakt war. Weil er sich frei gemacht hat von Einflüssen, weil er eine Kamera geklaut hat und weil er einfach angefangen hat zu filmen.

2016-06-01
Screenshot der Webseite zur „Rogue Film School“ von Werner Herzog. Kosten: 1500$

Daher kommt Herzog! Das macht ihn bis heute aus! Doch da gibt es Sache die mich ein bisschen stört. Der Autodidakt und Selfmadefilmemacher Werner Herzog wird nun selbst zum Didaktiker und will jungen Filmemachern erklären, wie das Handwerk funktioniert! Da gibt es zum einen die Rogue Film School, die Schurken-Filmschule, in der Werner Herzog einen ganzen Stamm zahlender Kundschaft mit dogmatischen Lehren versorgt. Es gibt eine verpflichtende Leseliste und natürlich muss man eine nicht unerhebliche Summe für den Kurs zahlen, es sind immerhin 1500 Dollar.

2016-05-31 (1)
Screenshot der Webseite zu Werner Herzogs „Masterclass“ Kosten: 90$

Zum anderen gibt es den Online-Kurs Masterclass mit Werner Herzog: In über 5 Stunden Videomaterial vermittelt der Autodidakt, wie man Filme macht. Hä! Ernsthaft? Jemand der sich konsequent jeder Einflussnahme durch formalisierte Ausbildungen verweigert hat, stellt sich jetzt hin und will anderen erklären, wie man Filme macht? Wahrscheinlich erklärt er, wie man Filme ala Herzog macht. Das Ergebnis ist dann eine ganze Armada von Filmherstellern (denn besseres sind sie nicht), die das gleiche gelesen, gesehen und gelernt haben. Daraus folgt, dass sich die Filme dieser Hersteller sehr ähnlich sein könnten. Immerhin der Video-Kurs kostet nur 90 Dollar. Ein Schnapper!

Das Ergebnis von Lehre im Bereich der Kunst kann fruchtbar sein, wenn der Magister es schafft, die Stärken seiner Adlaten zu erkennen, zu fördern und zu fordern. Leselisten, Einheitskurse und Stundenpläne sind meiner Meinung immer ein Indikator für den Unwillen des Lehrers, sich mit seinen Klienten auseinanderzusetzen. Im Idealfall sollte der Lehrer der Diener seiner Schüler sein. Er ist der  Katalysator, der notwendig ist, um die Flamme zu entfachen. Er zieht sich aber zurück, wenn das Feuer lodert.

Zum Schluss: Ich liebe das Kino von Werner Herzog noch immer. Seine Filme sind mir die Liebsten. Und ich bin bewusst blind für Kritik am herzogschen Werk. Hellhörig werde ich aber, wenn sich eine Autodidakt hinstellt und Lehre betreiben will, denn das sollte er nicht tun. Er sollte seinen besonderen Weg und sein Können nicht als etwas darstellen, das man lernen könnte. Wer mit der Vita des Filmemachers vertraut ist, weiß, das eine Wanderung von München nach Paris einen eher dazu befähigt, Filme zu machen, als ein Kurs der 90 oder 1500 Dollar kostet.

Fotos: Breanna Galley (https://unsplash.com), Screenshots

Wieso hat ein Reifen die Hauptrolle? Reine Willkür!

„Rubber“ (FR | AO, 2010)  hat bei mir lange in der Schublade gelegen, denn die Beschreibung auf der Rückseite ist kein Argument für den Film. Wie um alles in der Welt soll das unterhaltend sein, ein Streifen der von einem Reifen handelt. Naja nach dem Trailer hatte ich zumindest ein bisschen Bock auf den Scheiß:

Jetzt habe ich den Film gesehen und kann sagen, für diejenigen, die Hollywoodfilme mit der Muttermilch aufgesogen haben und der Stereotype des Studiosystems überdrüssig sind, ist dieser Film genau das richtige.

Zur Story nur so viel: „Rubber“ handelt von einem Reifen, der eine Odyssee durch eine amerikanische Wüste erlebt und dabei einige Menschen durch telekinetische Fähigkeiten tötet.

Quentin Dupieux (aka. Mister Oizo), der mir bis zu diesem Film lediglich mit seinem Flat Eric bekannt war, hat mit diesem Film die Grenzen und die Regel des konventionellen Kinos gesprengt. Mutig hat er die Hauptrolle des Films mit einem Reifen besetzt. Das Konzept des Films ist das Gesetz der cineastischen Avantgarde: Erkenne die Regeln und brich sie! Alles, was der Zuschauer erwarten kann und darf, wird brüskiert. Dies führt aber nicht dazu, dass der Zuschauer enttäuscht aus dem Film geht, sondern dass er sich seiner
stereotypen Erwartungshaltung bewusst wird, dies ist meines Erachtens die herausragende Leistung des Films.

Die Grenzen der Erzählkonventionen zu brechen, das haben auch schon andere Filmemacher versucht, ich erinnere mich an Filme von Lynch und Jarmusch: Doch „Inland Empire“ und „The Limits of Control“ waren so zäh und langweilig, dass man am liebsten sofort abschaltet. „Rubber“ hat Humor, und das rettet diesen pädagogischen Streifen vor der Langeweile. Ganz ehrlich, ich habe bei Szenen herzhaft gelacht, die eigentlich ekelhaft sind. Nun bin ich sehr gespannt auf Quentin Dupieux letzten Film „Wrong„: