Bernhard Wickis Antikriegsfilm „Die Brücke“

Bernhard Wickis Die Brücke (BRD 1959) zählt zu den wichtigsten Filmen, die ich in meinem Leben gesehen habe. In einer Zeit, in der Niemand etwas von den Schrecken des Krieges wissen wollte, hatte Bernhard Wicki den Mut, einen kompromisslosen Film über den Fanatismus der letzten Kriegstage zu drehen.

Deutschland 1945. Hans Scholten (Folker Bohnet), Albert Mutz (Fritz Wepper), Walter Forst (Michael Hinz), Jürgen Borchert (Frank Glaubrecht), Karl Horber (Karl Michael Balzer), Klaus Hager (Volker Lechtenbrink) und Sigi Bernhard (Günther Hoffmann) gehen auf das Gymnasium einer deutschen Kleinstadt und kommen aus ganz unterschiedlichen sozialen Verhältnissen. Vom Offizierssohn bis zum Sohn eines Kriegsinvaliden ist alles vertreten. Noch gehen die 16jährigen zur Schule doch schon bald werden sie zum Volkssturm einberufen. Ihr Studienrat Herr Stern (Wolfgang Stumpf) setzt sich noch für eine Verschonung der Jungen ein, doch Hauptmann Fröhlich (Heinz Spitzner) besteht auf den Einsatz der Minderjährigen. Die sieben Jungen werden vom Unteroffizier Heilmann (Günter Pfitzmann) zu einer Brücke vor die Stadt geführt. Sie soll, kurz bevor die Amerikaner kommen, gesprengt werden. Heilmann will die Jungen schonen, und sie vorher abziehen. Doch nachdem er die Brücke und die Jungen kurzfristig verlässt, wird er von den eigenen Leuten erschossen, weil man ihn für einen Deserteur hält. Die Jungen sind nun auf sich selbst gestellt und halten die Brücke kurzfristig, während die Amerikaner anrücken. Als die Kinder gegen die Amerikaner kämpfen ruft einer der amerikanischen Soldaten: „Give up, stop shooting! We don’t fight kids! Go home or go to kindergarten!“ Karl kann es nicht mehr hören, auf sein geringes Alter angesprochen zu werden und lässt sich reizen, er feuert eine Maschinengewehrsalve auf den Soldaten ab, der in Folge jämmerlich stirbt. Doch auch die Jungen fallen nach und nach ihrem falschen Patriotismus zum Opfer. Der letzte Junge wird sogar von den eigenen Leuten erschossen, als sie die Brücke sprengen wollen. Nur Albert überlebt die Aktion. Zum Schluss wird der Satz eingeblendet: „Dies geschah am 27. April 1945. Es war so unbedeutend, daß es in keinem Heeresbericht erwähnt wurde.“

Die Deutschen wollten kurz nach dem 2. Weltkrieg (immerhin sind es 14 Jahre) nichts von ihren Verfehlungen wissen und so wurde dieser Film zwar von den Kritikern gelobt und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, doch der normale Bürger ging für diesen Film nicht ins Kino. Und so teilt Die Brücke das Schicksal der meisten Antikriegsfilme der Nachkriegszeit, das Schicksal ungesehen zu sein. Allenthalben wird dem deutschen Film und seinen Machern vorgeworfen, kein Interesse an der Aufarbeitung des „Dritten Reichs“ zu haben, doch das stimmt nicht. Wolfgang Staudte beispielsweise hat schon 1946, also ein Jahr nach Kriegsende, den Film Die Mörder sind unter uns gedreht. Niemand wollte diesen Film sehen! Das eine Aufarbeitung im Kino nicht stattfand, lag also nicht am Unwillen der Filmschaffenden, sondern vielmehr am Unwillen der Zuschauer. Die Brücke habe ich im zarten Alter von 10 Jahren das erste Mal gesehen und dieser Film hat mir gezeigt, dass Krieg kein Abenteuer ist, sondern einfach nur unmenschlich! Die Brücke ist sehr pädagogisch, ja das stimmt, aber er leistet damit einen besonderen Beitrag zu einer friedlicheren Welt. Kinder und Jugendliche die diesen Film sehen, begreifen die Sinnlosigkeit gewalttätigen Handelns, dies lässt über technische Schwächen des Films hinwegsehen.

Foto: Gaétan Meyer/unsplash.com

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