Wieso hat ein Reifen die Hauptrolle? Reine Willkür!

„Rubber“ (FR | AO, 2010)  hat bei mir lange in der Schublade gelegen, denn die Beschreibung auf der Rückseite ist kein Argument für den Film. Wie um alles in der Welt soll das unterhaltend sein, ein Streifen der von einem Reifen handelt. Naja nach dem Trailer hatte ich zumindest ein bisschen Bock auf den Scheiß:

Jetzt habe ich den Film gesehen und kann sagen, für diejenigen, die Hollywoodfilme mit der Muttermilch aufgesogen haben und der Stereotype des Studiosystems überdrüssig sind, ist dieser Film genau das richtige.

Zur Story nur so viel: „Rubber“ handelt von einem Reifen, der eine Odyssee durch eine amerikanische Wüste erlebt und dabei einige Menschen durch telekinetische Fähigkeiten tötet.

Quentin Dupieux (aka. Mister Oizo), der mir bis zu diesem Film lediglich mit seinem Flat Eric bekannt war, hat mit diesem Film die Grenzen und die Regel des konventionellen Kinos gesprengt. Mutig hat er die Hauptrolle des Films mit einem Reifen besetzt. Das Konzept des Films ist das Gesetz der cineastischen Avantgarde: Erkenne die Regeln und brich sie! Alles, was der Zuschauer erwarten kann und darf, wird brüskiert. Dies führt aber nicht dazu, dass der Zuschauer enttäuscht aus dem Film geht, sondern dass er sich seiner
stereotypen Erwartungshaltung bewusst wird, dies ist meines Erachtens die herausragende Leistung des Films.

Die Grenzen der Erzählkonventionen zu brechen, das haben auch schon andere Filmemacher versucht, ich erinnere mich an Filme von Lynch und Jarmusch: Doch „Inland Empire“ und „The Limits of Control“ waren so zäh und langweilig, dass man am liebsten sofort abschaltet. „Rubber“ hat Humor, und das rettet diesen pädagogischen Streifen vor der Langeweile. Ganz ehrlich, ich habe bei Szenen herzhaft gelacht, die eigentlich ekelhaft sind. Nun bin ich sehr gespannt auf Quentin Dupieux letzten Film „Wrong„:

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